Ausstellung
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KUNSTHALLE wien
Datum 13.03.2010
Freikarten: 1 x 2
Zeit: 16:00
Ort: Wien

Veranstalterinfo

 

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Tropicália. Die 60s in Brasilien

Themenführung "Vom Tropen-Exotismus zur Selbstbehauptung des Südens" mit Martin Pfitscher

Tropicália entstand aus dem Geist jenes Anthropophagischen Manifestes, das der Modernist Oswald de Andrade in den 20er-Jahren geschrieben hatte: Darin ging es um das Verschlingen fremder Kulturen, um die kritische Appropriation von Kunst-, Musik und Modeströmungen aus der Ersten Welt und um ein Konzept der Hybridität, das aus Partikeln und Fragmenten kultureller Artefakte eine Art ästhetischen Metabrasilianismus konstruierte.

Tropicália war eine neue kritische (Kunst-)Sprache
, die auf der Ebene der alltäglichen Kommunikation intervenierte und sich die Möglichkeiten der modernen Massenkommunikation zunutze machte. Sänger wie Caetano Veloso und Gilberto Gil, die sich als Teil der Bewegung sahen, wurden durch das Fernsehen zu Sprachrohren einer künstlerischen Haltung, die sich gegen den „Import eines abgepackten und gebrauchsfertigen Bewusstseins“ (de Andrade) richtete.

Ohne explizit politisch zu sein, richten sich die vitale Energie, die Lust am schrillen Spektakel und die Öffnung des kulturellen Handlungsfeldes für die Bewohner prekärer Lebenswelten vor allem gegen die bleierne Zeit des brasilianischen Militärregimes, das mit einem Coup im Jahr 1964 den relativ demokratischen Verhältnissen ein Ende gemacht hatte.

Tropicalia arbeitete über Genres und stilistische Grenzen hinweg mit allegorischen Impulsen, Widersprüchen und paradoxen Gegenüberstellungen, die sich einer eindimensionalen Lesart entgegenstemmten. Vor allem Hélio Oiticica erwies sich als bedeutender Konzeptualist und Praktiker einer Ästhetik, die die Trennung von Kunst und Leben aufheben wollte.

Die Ausstellung präsentiert mit Schlüsselwerken wie Tropicália von Oiticia oder dem Film Terra em Transe von Glauber Rocha sowie wichtigen Werkgruppen von Nelson Leirner, Rubens Gerchman, Antonio Dias, Anna Maria Maiolino und Lygia Pape einen historischen Querschnitt durch die künstlerische Vielfalt des kurzen Sommers der künstlerischen Anarchie. Weiters wird gezeigt, wie der kreative Impuls, der von Tropicália ausging, in Arbeiten zeitgenössischer (exil)brasilianischer Künstler wie Ernesto Neto oder Rivane Neuenschwander und Cao Guimarães bis zum heutigen Tag weiterwirkt.

Kurator: Thomas Mießgang

KünstlerInnen der Ausstellung: Artur Barrio, Augusto & Haroldo de Campos, Lygia Clark, Antonio Dias, Rubens Gerchman, Cao Guimarães Nelson Leirner, Anna Maria Maiolino, Cildo Meireles, Ernesto Neto, Rivane Neuenschwander, Hélio Oiticica, Lygia Pape, Décio Pignatari, Glauber Rocha

Foto: Singer and composer Caetano Veloso wearing Oiticica’s Parangolé P4 Cape 1, 1968 © Projeto Hélio Oiticica, Rio de Janeiro, Brazil

Themenführung am 13.3.2010 um 16 Uhr "Vom Tropen-Exotismus zur Selbstbehauptung des Südens" mit Martin Pfitscher

Ausstellungsdauer:
28. Jänner bis 2. Mai 2010, halle 2

Öffnungszeiten:
Täglich 10 – 19 Uhr, Do 10 – 21 Uhr

Museumsplatz 1, 1070 Wien,
Infoline +43-1-52189-33

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