Geliebt – gelobt – unerwünscht.

Haushaltsdinge zwischen Wunsch und Wirklichkeit - im Technischen Museum Wien

Nikse Koch Heizgerät (c) Technisches Museum Wien

Technisches Museum Wien
Datum: 15. Oktober 2018
Freikarten: 1 × 2
Ort: Wien
www.technischesmuseum.at

Technische Dinge sind mehr als zweckmäßige Mittel: Sie sind Ausdruck dessen, wie wir unsere Lebenswelt gestalten. Umgekehrt prägen sie unsere Handlungen mit. Wünsche, Erwartungen und Projektionen, aber auch Normierungen und Anpassungen durchziehen die Prozesse, wie Dinge entwickelt und angeeignet werden – so auch im Haushalt. Anhand von erstmals ausgestellten Exponaten aus den Beständen der Sammlung Haushaltstechnik beleuchtet die Ausstellung, wie sich Ding- und Lebenswelten im Zuge der Technisierung des Haushalts gegenseitig beeinflussen. Und das aus zwei Perspektiven: jener der Herstellung und Vermarktung und jener des Gebrauchs.

Mit Haushaltsgeräten werden immer auch Versprechungen in die Welt gesetzt, etwa von Zeit- und Arbeitsersparnis, Kraft, Geschwindigkeit, Sauberkeit und Komfort. Hausarbeit und Körperpflege soll mit ihnen leichter und schneller gehen, die Bedienung bequem und das Ergebnis sauber, schön oder köstlich sein.

Vielfach unterstützen Namen diese Werbeversprechen: Das Epiliergerät „Super Soft Plus“ lässt die Haarentfernung schmerzfrei erscheinen, die Namen „Supermax“ oder „Tornado“ rücken Staubsauger in die Nähe von quasi unbegrenzten Kräften. Und das Kochen mit Dampfdruck geht nicht nur schnell, sondern „Rapido“, „Presto“ und „Turbo“.

Firmenprospekte und Gebrauchsanweisungen bewerben die Vorzüge der Produkte und versuchen, diese als Insignien von Fortschritt und Modernität zu platzieren. Gleichzeitig spiegeln sie gesellschaftliche Verhältnisse wider. So richten sich viele dieser Produktschriften in der Zeit der Elektrifizierung von Haushalten – von den 1920er bis 1960er-Jahren – dezidiert an „die Hausfrau“ und halten so gängige Rollenbilder und gesellschaftliche Normen aufrecht.

Doch wie verhalten sich die Versprechungen von Seiten der Produktion und Vermarktung zum konkreten Gebrauch? Erfüllt ein Haushaltsgerät die in es gesetzten Erwartungen? Wird es wertgeschätzt, sorgsam behandelt? Oder landet es unbenutzt im Schrank?

Zu Wort kommen Nutzer und Nutzerinnen von Haushaltsgeräten, die vom jeweiligen Gebrauch oder Nicht-Gebrauch erzählen. Sie geben Einblick in ihre Erinnerungen zu unerwünschten Geschenken, erleichternden Anschaffungen, enttäuschenden Versprechen und geliebten Wegbegleitern. Zu erfahren ist etwa, welche willkommene Neuheit Kühlschränke darstellten und warum ein Eierkocher oder eine vibrierende Wimperntusche als sinnlose Innovation gesehen werden. Oder wie der Geruch des Rasierwassers „Pitralon“ zu einer alternativen Anwendung führt. Sichtbar wird auch, wie ähnliche Geräte völlig unterschiedlich gewertet werden: Gilt die eine Küchenmaschine als große Hilfe, die zur täglichen Nutzung bereitsteht, ist die andere ein nicht willkommenes Geschenk.

Vielfältige Mensch-Ding- Beziehungen, die sich in den Geschichten zum Gebrauch zeigen, stehen den Vorstellungen gegenüber, die Produktion und Vermarktung entwerfen. Das Spannungsverhältnis zwischen ihnen kann das Publikum selbst ausloten und dabei Kontraste und Parallelen entdecken.

Technisches Museum Wien

Mariahilfer Straße 212
1140 Wien